Wenn Aberglaube wehrlos macht

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Wanderungsbewegungen sind so alt wie die Menschheit, seit sie sesshaft geworden ist. Naturkatastrophen, Kriege, Armut, Repression – die Gründe für das Verlassen der angestammten Umgebung sind vielfältig. Was alle verbindet: der Wunsch nach einer Verbesserung der Lebensverhältnisse, der naive Traum vom Glück.

Wanderungen sind selten friedlich verlaufen. Immer wurde die Naivität des Traums vom Glück als erstes geopfert, wenn zu seiner Durchsetzung Macht und Gewalt ausgeübt werden mussten. Ägypter, Griechen, Römer, Chinesen, Araber, Spanier, Engländer – alle expansiven Völker können ein Lied davon singen, dass der Traum vom Glück mit viel Blut durchgesetzt wurde und oftmals zum völligen Verschwinden der Unterlegenen führte.

Dass sich heute das Verschwinden ganzer Kulturen und Völker nicht mehr ereignen können soll, lässt eine veritable Geschichtsblindheit vermuten. Warum sollte das Verdrängen von Tierarten und Biotopen, das die westliche Welt mit allen ökologischen Mitteln meint aufhalten zu müssen, einen Bogen um menschliche Kulturen machen? Man muss schon an das Ende der Geschichte glauben, um zu meinen, die Menschheit als Ganzes sei in einen neuen Zustand der Friedfertigkeit und Herzensgüte eingetreten und würde den Status Quo fest gemauert und auf ewig bewahren wollen und können.

Jeder, der im September 2015 bei Verstand war, ahnte, dass die offenen Grenzen nach Deutschland und Nordeuropa einen bis in die Tiefen Afrikas reichenden Wanderungsstrom in Bewegung setzen würden. Sechs Monate und mehr als eine Million Einwanderer später wissen wir, dass, wären die Grenzen weiter offen geblieben, sich diese Zahl ad infinitum vergrößert hätte. Das Problem, vor das eine Million neuer Bürger eine Gesellschaft stellt, ist die eine Sache. Die andere Sache ist, dass die Verweigerungshaltung, das Land vor Ungebetenen und Unpassenden überhaupt schützen zu wollen, von der herrschenden Klasse zur neuen deutschen Staatsräson erklärt wurde und weiterhin nicht absehbar ist, diesen Paradigmenwechsel als das zu benennen, was er ist: ein historischer Tabubruch. So bleibt die Furcht, dass der Irrsinn jeden Moment wieder von Neuem losgehen kann.

Das immer wieder gern gehörte Argument, diese paar Millionen in archaischen Strukturen sozialisierten jungen Männer könne ein 80-Millionen-Land wie Deutschland doch aushalten, verliert seine wenig überzeugende Nonchalance, wenn man bedenkt, dass viel geringere Einwanderungszahlen bereits Hochkulturen zu Fall gebracht haben. Das Reich der Azteken wurde von Hernán Cortez mit 500 Soldaten vernichtet. Und als Fernando Pizarro mit einem Trupp von weniger als 200 Mann einer Inka-Streitmacht in Zehntausender-Stärke gegenüberstand, war die zahlenmäßige Unterlegenheit so eklatant, dass nach der Quantitäts-Logik die Geschichte hätte anders verlaufen müssen. Sie tat es aber nicht.

Das sofort einschießende Argument dagegen lautet: heute kommen aber Unterlegene in eine Hochkultur, während früher die Eindringlinge die besser Ausgerüsteten und Überlegenen waren. Nun, Geschichte wird von den Siegern geschrieben und Unterlegenheit ist ein sehr relativer Begriff, den die Hochkulturen Südamerikas vor ihrer Vernichtung vehement zurückgewiesen hätten. Ihre staatliche Organisation, ihr Militär, ihr Reichtum waren doch aus anderem Holz geschnitzt als die paar abgerissenen Söldner, die von den Segelschiffen Read On…

Islam – der Ego-Shooter unter den Religionen

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Es ist ein liebgewordenes Ritual nach Amokläufen, ein Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen, sogenannten Killerspielen und Ego-Shootern, zu fordern. Die Logik dabei ist auf den ersten Blick überzeugend: eines der Kennzeichen des modernen Amokläufers ist sein Hang zu ebendiesen Spielen. Jeder Amokläufer spielt Ego-Shooter. Genauso richtig ist aber auch: nicht jeder, der Ego-Shooter spielt, wird Amokläufer.

Beim Islam ist es nicht ganz unähnlich. Der moderne Terrorist hat einen ausgeprägten Hang zum Islam. Aber genauso klar ist: nicht jeder Moslem wird Terrorist. Dennoch kann man konstatieren, dass im 21. Jahrhundert der Islam der Ego-Shooter unter den Religionen ist. Ihm wird noch das männlich-archaische Feuer zugetraut, das auf so viele junge Männer, die sich in ihren Herzen nach Abenteuer, Sex und Gewalt sehnen, einen ungeheuren Reiz ausübt.

Der Ruf nach einem Verbot von Killerspielen müsste, wenn man dessen Logik folgt, jedes Mal, wenn sich ein Religionist des Friedens in die Luft sprengt, um ein Verbot des Islams erweitert werden. Ein Verbot des Islams fordern aber nur sehr, sehr wenige Menschen und meist stehen sie außerhalb des demokratischen Diskurs. Das liegt an der grundgesetzlich verankerten Religionsfreiheit. Von Spielefreiheit steht dagegen nichts im Grundgesetz, weswegen es so leicht ist, ihre Abschaffung zu fordern und trotzdem Teil des demokratischen Diskurs zu bleiben.

Die im deutschen Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit ging immer von einer Religion aus, die ihren weltlichen Herrschaftsanspruch abgelegt hatte. In westlichen Demokratien ist die Religion ein Angebot an die Menschen, keine Verpflichtung. Dass es auch im Islam ein spirituelles Herz gibt, das den Weg zu Gott als einen individuellen und herrschaftsfreien definiert, sollte nicht in Abrede gestellt werden. Umso wichtiger ist es deswegen, diesen Kern der islamischen Religiosität wieder herauszuarbeiten und in den Vordergrund zu rücken. Denn dieser Islam wäre in einer demokratischen und gleichberechtigten Welt angekommen und hätte sich seines Charakters als Ego-Shooter entledigt. Read On…

Bitte gehen Sie weiter, die Motive sind weiterhin unklar

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Als am 10. Mai im bayrischen Gräfing ein Mann unter „Allahu Akbar“-Rufen drei Menschen mit einem Messer schwer verletzt und einen weiteren tötet, wird sich in der Presse recht schnell darauf geeinigt, dass der 27-jährige „psychsich krank“ gewesen sei. Mit dem Islam, so die implizite Folgerung, hat das nichts zu tun.

Auch als vor wenigen Wochen in Orlando ein Schwerbewaffneter einen Schwulenclub stürmt und 49 Menschen ermordet und die gleiche Anzahl nochmals schwer verletzt, wird bei der Ursachenforschung in den Vordergrund gerückt, dass der Täter selbst einer gewissen Neigung zu eben diesem Schwulenclub frönte und andere ermordete, weil er mit seinem eigenen Schwulsein nicht klarkam. Auch hier vermischen sich privates Leid und Liebe zum IS zu einer eher uneindeutigen Motivlage.

Vor wenigen Tagen nun plant ein ebenfalls mutmaßlich psychisch labiler Mann einen Massenmord mit einem Schwerlaster und ermordet daraufhin 84 Menschen und verletzt mehr als 300. Dass er Alkohol getrunken, seine Frau misshandelt und überhaupt zur Gewalttätigkeit geneigt habe, gilt nun als Ausweis seiner Labilität. Mit dem Islam hat auch dieser Massenmord, wenn überhaupt, nur am Rande zu tun.

Als gestern ein mutmaßlich 17jähriger Afghane in einem Regionalzug nach Würzburg unter „Allahu-Akbar“-Rufen eine Axt schwingt und vier Menschen schwer verletzt, bleibt auch hier die Motivlage erst einmal unklar. Bitte keine voreiligen Schlüsse. Bitte keine Mutmaßungen. Gehen Sie einfach weiter!

Der Schutz vor voreiligen Schlüssen scheint eine der Hauptaufgaben des Journalismus geworden zu sein. Überall Sprach- und Denkbarrieren, um ja das große Projekt der Kanzlerin nicht zu gefährden. So wurde in den Redaktionsstuben beschlossen, dass dem Islamischen Staat ein „sogenannter“ vorgestellt wird. Der Grund: zum einen ist der IS gar kein richtiger Staat mit Präsident, Kanzler und offenen Grenzen. Und zum anderen nennt er sich ja nur islamisch, ohne es wirklich zu sein. Denn was islamisch richtig ist, entscheiden neuerdings unsere Medienvertreter.

So wie es für einen echten islamischen Staat ein paar Qualitätskriterien zu beachten gilt, so gelten auch bei einem islamischen Anschlag ein paar Standards, die nicht aufgeweicht werden dürfen. Ein waschechter Islamist trinkt selbstverständlich keinen Alkohol und schlägt seine Frau nur im Ausnahmefall. Auch Schwulsein gilt unter Islamisten als nicht halal und mit einem psychischen Defekt ist man aus der Schar Read On…

Ist Singen nur unislamisch oder auch verantwortungslos?

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Als am Abend des 11. Juli 2016 in der Tagesschau gezeigt wurde, wie Cameron ankündigte, dass er der Queen als seine Nachfolgerin Theresa May vorschlagen würde, sich danach umdrehte und leise singend-summend zurück in die Downing Street 10 ging, war ich überrascht. Noch nie hatte ich in einer scheinbar so ernsten Situation einen führenden Politiker so erleichtert, befreit und humorig erlebt wie in dieser kleinen Sequenz (ab Min 2:00). Ein vor sich hin singender Premierminister bei der Ankündigung seines endgültigen Ausscheidens: großartig!

Ich war über Camerons leises Singen ungefähr so überrascht, wie wenn im Deutschen Bundestag ein Redner einen intelligenten Witz macht und das gesamte hohe Haus schallend lacht. Dann spüre ich eine Erleichterung, in die hinein mein Herz einen kleinen Hüpf macht. Dieses ganze verantwortungs- und salbungsvolle, vorhersehbare Politikgeplänkel erhält auf einmal einen Stoß versetzt. Über so etwas kann ich mich wirklich freuen. Von Herzen.

So war es also auch bei Cameron. Er sang leise vor sich hin und all die Unken- und Jubelrufe für oder wider den Brexit erhielten auf einmal diesen sehr notwendigen und heilsamen Dämpfer, dass Politikkämpfe und Geschichtemachen doch nicht ganz so ernst zu nehmen sind. Diese Art von singender Gelassenheit ist vielleicht nur möglich, wenn nicht der einzelne Politiker eine so schwerwiegende Entscheidung wie einen EU-Austritt zu fällen hat, sondern er die Mehrheit des Volkes entscheidet lässt.

Nun habe ich die letzten Wochen durch die deutsche Presse und die deutschen Politiker erfahren, dass das Volk zu deppert und unfähig ist, um komplexe Entscheidungen zu treffen. Norbert Lammert gab zu Protokoll, dass gelegentlich Politiker sich durch Volksabstimmungen nur aus der eigenen Verantwortung stehlen wollten. „Sie überlassen eine schwierige politische Entscheidung aus Hasenfüßigkeit dem Wähler.“ Dies treffe „sicher auf das Brexit-Referendum in Großbritannien zu“.

Auch in dem vielbeachteten Phoenix-Gespräch zwischen Michael Hirz und Friedrich Merz wird viel von verantwortungslosen Volksentscheiden und den noch verantwortungsloseren britischen Politikern gesprochen. „Die repräsentative Demokratie heisst Verantwortung in der Hand der gewählten Abgeordneten. Und wenn Read On…

Siegfried als Stammtischkämpfer*in

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Manchmal kommt es vor, dass bei Interviews die Fragen fast interessanter sind als die Antworten. So geschehen beim Gespräch der Wochenzeitung DIE ZEIT mit Alexander Gauland vom 28. April 2016. Mehrmals wird der AfD-Politiker darauf angesprochen, ob er sich denn nicht über das Post-Auschwitz-Deutschland, das sich „in Negation zum Nationalsozialismus entwickelt hat“, freuen könne: „Deutschland ist ökologischer, weiblicher, offener, föderaler, weniger militärisch. Das macht uns so erfolgreich. Können Sie sich darüber nicht freuen?“ Und etwas später: „Dass ein Volk in der Lage ist, Schlüsse aus seiner Vergangenheit zu ziehen und dadurch ein besseres Volk zu werden, ist doch etwas Großartiges.“

Halten wir mal für einen Moment die Luft an und lassen die Aussagen auf uns wirken: Die Deutschen sind also ein besseres Volk geworden, was selbstredend großartig ist. Und zwar in Negation zum Nationalsozialismus. Mit diesem haben die Deutschen gekämpft, haben ihn besiegt und sind daraus schöner und erhabener hervorgegangen als jemals zuvor. Würde man dieses neue deutsche Post-Auschwitz-Narrativ in einen Mythos gießen, würde er merkwürdigerweise an die Nibelungensaga erinnern: der Kampf mit dem Drachen ließ uns (fast) unbesiegbar werden. Seitdem tragen wir den Ring der geläuterten Weltweisheit am Finger. Siegfried lässt grüßen.

Weiter: Deutschland ist seitdem ökologischer, weiblicher, offener und pazifistischer geworden. Auch dieses Narrativ ist schwer mythengetränkt. Es sind die Rheintöchter aus dem Rheingold, die für Weiblichkeit und Naturhingabe stehen und denen wir unsere Schuld und unser Streben darzubringen hatten. Im Hintergrund walten die grünen Gottheiten Freya, Fricka und Erda in Person von Claudia Roth, Read On…

Herzlich willkommen zur Kinderehe

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Die Blüten, die unsere Willkommenskultur momentan treibt, kann man an den vielen hübschen Beispielen erkennen, in denen es um die Harmonisierung zwischen dem manchmal „archaischen Leben“ der Eingereisten und dem grundgesetzlich geforderten „zivilisierten Leben“ in Deutschland geht. Den Kernsatz – sozusagen das Credo und die ultimative Zusammenfassung der Willkommenskultur – stammt bekanntlich von der für ihre herausragenden Sprachleistungen viel gerühmte Katrin Göring-Eckardt: „Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich drauf!“ Dieser Satz ist der Hintergrund, den man mitdenken muss und vor dem folgendes Beispiel, sagen wir mal, seine ganz eigene Wucht erfährt.

Innerhalb der geschätzt 1,5 Millionen Schicksale, die im letzten Jahr nach Deutschland gekommen sind, befinden sich unzählige Beispiele, die es dem deutschen Rechtsstaat schwer machen, sich zu positionieren. Damit sind nicht die Antänzer, Angrabscher und Vergewaltiger gemeint, die wir mit unserem „freundlichen Gesicht“ in Form einer desinteressierten, überforderten und, wie es dann in der Zusammenfassung heißt, „liberalen“ Justiz einfach walten lassen. Denn bei diesen unschönen Fällen ist die Positionierung ja eindeutig, auch wenn sie irgendwie als Kollateralschäden des dringend notwendigen demographischen Aufschwungs eingepreist zu sein scheinen.

In den letzten Tagen jedoch wurde in der Presse ein eher uneindeutiges Thema aufgegriffen: Kinderehen unter Flüchtlingen. Anlass war ein Urteil des Oberlandesgerichts Bamberg, das eine Kinderehe als rechtmäßig anerkannte. Danach machte ein kleiner Shitstorm in den sozialen Netzwerken die Runde, worauf einige Politiker sich bemüßigt fühlten, mit den üblichen Phrasen zu antworten: „Kein Kniefall vor dem Scharia-Recht“ ließ Stephan Mayer (CSU) markig verlauten und Familienministerin Manuela Schwesig: „Diese Fälle zeigen, dass der Kinder- und Jugendschutz auch für Flüchtlingskinder gelten muss.“

„Natürlich“, ist der geneigte Leser sofort zu denken bereit, „ist doch klar! Kein Kniefall vor dem Scharia-Recht. Kinderehen rechtmäßig, wo kämen wir denn dahin!?“ Selbstverständlich ist dieser Reflex durchaus ehrenhaft, wenn er nicht von der Politik genau so intendiert wäre, weil Read On…

Bei Visionen zum Augenarzt – und bei Interesselosigkeit?

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Politik ist das Zusammenspiel und der Ausgleich verschiedenster Interessen. Noch immer steht die unbeantwortete Frage im Raum, welche Interessen die deutsche Bundeskanzlerin eigentlich verfolgte, als sie sich weigerte, die deutschen Außengrenzen zu schließen. Nach fast neun Monaten Schweigen darf man getrost unterstellen, dass Frau Merkel völlig interesselos handelte. Hier ging es halt um Höheres als um schnöde Politik.

Dass wir Deutschen einen göttlichen Auftrag haben, ist ja durchaus ein verbindendes Element zwischen den Linken, die uns Deutsche die Rolle des ewigen Vorreiters des Guten, Schönen und Wahren zugewiesen haben, und den Rechten, für die Deutschland der Gral einer höheren Kultur sein soll. Vom heiligen römischen Reich deutscher Nationen bis zu Angela Merkel führt eine fast ununterbrochene Linie, im Auftrag des Herrn unterwegs zu sein. Spätestens seit der Gründung des deutschen Reiches 1871 sind wir Deutschen vom Selbstverständnis her moralische Weltmeister. Andere, vor allem unsere Freunde im Ausland, erkennen darin den „morbus germanicus“. Es kommt halt auf die Perspektive an.

Auf merkwürdige Weise benötigen wir Deutschen immer eine Aufgabe, die größer ist als unsere Interessen. Der Königsberger Philosoph Immanuel Kant postulierte für das Empfinden der Schönheit die berühmte Formulierung vom „interesselosen Wohlgefallen“. Zugegeben, das klingt irgendwie entspannt, nett und sehr selbstlos, dennoch sollte man das „interesselose Wohlgefallen“ tunlichst im Reich der Ästhetik belassen. Denn ob es das Interesselose im Menschen wirklich gibt und als Zustand erstrebenswert ist, oder ob es nicht vielmehr eine göttliche Kategorie ist, die etwas Menschenverachtendes in sich trägt, ist höchst umstritten. Denn was, bitte schön, soll der Unterschied zwischen dem Interesselosen und der schulterzuckenden Gleichgültigkeit sein?

Spätestens seit Kant gilt dieses Interesselose jedoch als Ausweis höchster Güte. Je interesseloser wir Menschen denken und handeln, desto edler fühlen wir uns. Lobbyverbände, also Interessensgruppen, haben in Deutschland einen so schlechten Leumund, dass sie an Schlechtigkeit nur von der Mafia getoppt werden. Außer natürlich diese Interessensgruppen sind dem Guten, Schönen und Wahren verpflichtet, also der sozialen Gerechtigkeit, der Klimarettung oder dem Kampf gegen Rechts. Aber dann spricht man auch nicht mehr von Lobbies, sondern von NGOs.

Zum Beweis des Interesselosen gehört es, dass das Objekt, auf das sich das Nicht-Interesse bezieht, keinerlei lebensweltliche Überschneidungsflächen aufweisen darf. Deutschland ist gebildet, reich, religiös indifferent und restlos durchverwaltet. Das Interesselose muss sich also auf das Fernstmögliche beziehen: auf das Ungebildete, Arme, religiös Eifernde und Archaische. Zum endgültigen Ausweis des Interesselosen wird es dann, wenn man sich auf dieses Fernstmögliche auch noch freut, wie es Katrin Göring-Eckardt von den Grünen – oder sollte man sagen: von der evangelischen Kirche? – formuliert hat. Das eigene Hochmutgefühl des moralisch Besseren stellt sich dann ganz von alleine ein. Selbstverständlich interesselos. Read On…

Die Kanzlerin lernt und die Lemminge schweigen

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Also eines muss man der Kanzlerin lassen: sie kann lügen, ohne rot zu werden, und Schwarz für Weiß verkaufen, dass es eine Freude ist. Am 12. Mai 2016 ließ sie auf dem Europaforum des WDR in Berlin in einem Podiumsgespräch mit Tom Buhrow folgenden Satz vom Stapel: „Wir müssen in Europa lernen, unsere Außengrenzen zu schützen und selbst zu entscheiden, wer zu uns kommen kann.“ (ab Minute 44)

Eine Million Neubürger und fast 100 Milliarden Integrations-Steuergelder später fällt der Kanzlerin dann doch auf einmal ein, wie wichtig es sein könnte, die Außengrenzen zu schützen und selbst zu bestimmen, wen man ins Land lässt. Also genau das, was sie selbst und ihre Claqueure noch vor wenigen Wochen als rechtspopulistisch und voll Nazi brandmarkten, wird auf einmal – en passant – das neue alternativlose Merkel-Programm.

Hysterie wird zu Schulterzucken

Noch merkwürdiger als der Schwenk der Kanzlerin ist das schweigende Schulterzucken der Wir-schaffen-das-Fraktion. Wo sind eigentlich die Anja Reschkes und Dunja Hayalis, die jetzt klare Kante gegen Fremdenfeindlichkeit zeigen und mal so richtig auf den Putz hauen könnten, um ihre Integrationsbambis und Mutiger-Journalismus-Preise zu rechtfertigen? Wo gehen sie mit dem gleichen Mut, den sie gegen die Zwerge der AfD zelebrierten, nun gegen die mächtigste Frau im Lande vor?

Und wieso hakt eigentlich Tom Buhrow, immerhin Flagschiff des „staatsfernen kritischen Journalismus“ im Lande, nicht mal nach, wie denn die Kanzlerin zu diesem Sinneswandel komme? Wo bleibt das knallharte Nachfragen, das Aufzeigen von Widersprüchen, das Erinnern an vorhergegangene, diametral entgegengesetzte Aussagen und all das andere, was kritischen Journalismus noch so ausmachen sollte?

Nachdem Merkels Weigerung, die Grenzen des Landes, dem sie vorsteht, schützen zu wollen, bereits mit Martin Luther verglichen worden war („da steht sie nun und kann nicht anders“), belehrt sie nun auch die ergebensten ihrer medialen Wasserträger, dass sie, Frau Merkel, da, wo sie steht, immer auch anders kann. „Wir müssen in Europa lernen, unsere Außengrenzen zu schützen und selbst zu entscheiden, wer zu uns kommen kann.“ Dumm gelaufen für jene, die Read On…

Der süsse Brei der Deutschen

Haferbrei-Teller
Quelle: culli.de

Gleich ein Geständnis vorweg: ich hatte Angst. Das kommt nicht oft vor. Meist schaffe ich es, mir meine Ängste durch Reflexion oder eine gute Portion Sarkasmus vom Leib zu halten. Dieses Mal bin ich einige Monate lang damit gescheitert.

Angst, so wird allenthalben gesagt, sei ein schlechter Ratgeber. Das ist sicher richtig, auch wenn dieser Satz die letzten Monate vor allem von denen kam, die sich entweder nur in gepanzerten Limousinen und mit Bodyguards aus dem Haus wagen, oder von denen, die ihre eigene Angst vor TTIP und Kernkraftwerken als Ausweis einer höheren Moral ansehen, andere Ängste aber nicht gelten lassen.

Als vor wenigen Tagen der 30. Jahrestag des Reaktorunfalls von Tschernobyl begangen wurde, ist mir das Missverhältnis von guter Angst und böser Angst wieder ins Auge gesprungen. Der Angst vor dem „unsichtbaren Tod“ wurde in Funk und Fernsehen großer Raum eingeräumt. Dass sie eine berechtigte Angst ist, wurde dabei als selbstverständlich vorausgesetzt. Angst vor den Konsequenzen der bizarren und völlig aus dem Ruder gelaufenen Politik Angela Merkels dagegen gilt als unberechtigt, ungebildet und demokratieschädlich.

Nun gibt es schönere und freudvollere Aufgaben, als in die dunklen Verliese der eigenen Angst hinabzusteigen. In Märchen werden Ängste oft mit wilden Tieren und Drachen verbildlicht, die in dunklen Wäldern oder noch dunkleren Höhlen hausen und die der Held oder die Heldin aufsuchen und niederringen muss. Übersetzt auf unser postheroisches Zeitalter heißt es wohl: setze dich mit deinen Ängsten an einen Tisch und redet miteinander. So habe ich es also getan (man muss ja nicht gleich zusammen beten).

Zuerst erschien ein sehr diffuser Zeitgenosse an meinem Tisch. Er wirkte irgendwie aus meiner Kindheit kommend und verpackte sich selbst gerne in ein Bild, das wiederum einem Märchen entsprungen war. Er nannte sich „der süße Brei“ und in ihm geht es um einen Zaubertopf, der einem kleinen Mädchen gehört, das ihn gut beherrscht. Eines Tages ist das Mädchen aus dem Haus, und die Mutter befiehlt dem Topf zu kochen, und der Topf kocht Brei. Den zweiten Spruch jedoch, wie der Topf auch wieder aufhört zu kochen, hat sie sich nicht gemerkt, und also hört der Topf nicht wieder damit auf und kocht und kocht „und der Brei steigt über den Rand hinaus und kocht immer zu, die Küche und das ganze Haus voll, und das zweite Haus und dann die Straße, als wollts die ganze Welt satt machen, und ist die größte Noth, und kein Mensch weiß sich da zu helfen.“ Die ganze Stadt ist bereits unter Brei begraben, als das Kind nach Hause kommt und zu ihm nur „Töpfchen, steh“ sagt. Da hört es auf zu kochen.

Irgendwie geht das Märchen also gut aus, auch wenn es sicher lange Zeit benötigte, die Stadt wieder flott zu bekommen. Was mit der Read On…

Der Irrsinn ist ein Meister aus Deutschland

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Jetzt, wo der deutsche Innenminister dank Schließung der Balkanroute wieder davon phantasieren darf, die Grenzen des Landes ganz weit aufzumachen, folgt in seinem Bühnenstück mit dem Titel „Der Irrsinn ist ein Meister aus Deutschland“ der nächste Akt. Nach „Härtere Gesetze“ und „Rigoros Abschieben“ kommt – es war nicht anders zu erwarten – der Teil, den man mit „Deutschsein heißt Auschwitz lieben“ überschreiben könnte.

In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, das zur Mediengruppe Madsack gehört und vor allem deutsche Regionalzeitungen bedient, teilte Innenminister Thomas de Maizière – an die Adresse der Neu-Bürger aus islamischen Ländern gerichtet – folgendes mit: „Jeder muss wissen, was in Auschwitz passiert ist.“ Das gehöre einfach zur deutschen Leitkultur. Und auch das Existenzrecht Israels sei zu akzeptieren.

Nun entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ein Land, das vor gar nicht so langer Zeit versucht hat, alle Juden auszurotten, sich nun damit brüstet, das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Eine merkwürdige Sinneswandlung, die vielleicht für viele Neubürger mit streng antisemitischer Sozialisierung nicht ganz so schnell nachzuvollziehen ist.

Dabei sind wir Deutschen im Nahen Osten doch so beliebt, weil kein anderes Volk sich mehr Mühe gegeben hat, das Judenproblem zu lösen als wir. Das wird uns hoch angerechnet und im Gegensatz zum Rest der westlichen Welt wird uns eben deswegen eine gute Portion Sympathiebonus gewährt. Wollen wir uns den jetzt verscherzen? Oder wollen wir ihn betonen? Noch ist das Ansinnen des Innenmisters nicht ganz eindeutig.

„Jeder muss wissen, was in Auschwitz passiert ist“ – wie hat man sich das vorzustellen? In der ersten Woche Deutschkurs geht es um Subjekt, Prädikat, Objekt und die unregelmäßigen Verben; und in der zweiten Woche dann um die Gaskammern und die Weihnachtslieder Read On…

Der König ist traurig

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Inhaltlich war das niederländische „Nee“ zum Ukraine-Referendum abzulehnen. Eine Assoziierung der Ukraine mit der EU stabilisiert ganz sicher dieses geschundene Land und gibt der Hoffnung eines Großteils der Ukrainer, langsam mit dem westlichen Europa zusammenzuwachsen, Auftrieb. Das Assoziierungsabkommen abzulehnen, wie es jetzt die Niederländer gemacht haben, ist Verrat an den Demokratisierungsbemühungen in der Ukraine. Das Signal ist fatal.

Dennoch hat der Wählerwille in Holland gesprochen und der ist zu respektieren. Denn dass das Abkommen, das de facto bereits in Kraft ist, zurückgenommen wird, glaubten ja selbst die Gegner dieses Abkommens nicht. Es ging also vielmehr um ein Signal nach Brüssel: dass die ständige Bevormundung durch eine abgehobene EU-Elite, die ungebremste Erweiterung der Europäischen Union und die fortgesetzte Missachtung demokratischer Willensbildung in den Mitgliedsstaaten nicht weiter goutiert wird und der Widerstand wächst. Dieses Signal, so ist anzunehmen, ist angekommen, sonst würden die Großkopferten der Brüssler Politkaste nicht derart laut aufschreien.

Am lautesten in dem Chor der Aufschreier hat sich die grüne EU-Abgeordnete Rebecca Harms hervorgetan. Nun kenne ich Rebecca Harms noch aus gemeinsamen Zeiten, als im Landkreis Lüchow-Dannenberg gegen den Castor protestiert wurde. Stichwort Gorleben. Damals waren die Grünen noch eine basisdemokratische Bewegung, die selbstverständlich Volksentscheide forderte und, sobald diese rechtlich möglich waren, auch unterstützte. Das hat sich inzwischen grundlegend gewandelt.

Die Aussagen Rebecca Harms zum holländischen Referendum lassen einen bass erstaunt zurück: „Plebiszitäre Elemente zu europäischer Politik, die so angelegt sind wie die gestrige Abstimmung, können die EU in ihrem Bestand gefährden“, verargumentierte die gute Rebecca ihre Ablehnung von Volksentscheiden.

Nun ist das Argument, dass plebiszitäre Elemente irgendwas gefährden könnten, ja gerade der Hauptgrund für plebiszitäre Elemente. Denn Demokratie unterscheidet sich von Ringelpietz mit Anfassen gerade dadurch, dass Abstimmungen und Wahlen bestehende Entwicklungen gefährden können. Die Übermacht der herrschenden Klasse zum Beispiel. Oder politische Projekte, die von der Bevölkerung nicht gewollt sind. Volksabstimmungen, die nichts gefährden können, wären ein schlechter Witz. Aber genau so tickt es in den Köpfen der Eurokratie.

Jetzt könnte man die große Keule herausholen und den Mangel an Demokratie als den Hauptgrund für die EU-Ablehnung bezeichnen. Jean-Claude Juncker („würde die EU als Staat die Aufnahme in die EU beantragen, müsste der Antrag zurückgewiesen werden – aus Mangel an demokratischer Legitimation“) ist die Personifizierung dieses Unbehagens am europäischen Demokratie-Mangel. „Der Präsident ist Read On…

Wer glaubt, dass man mit Worten lügen könne, könnte meinen, dass es hier geschähe *

stephanweil

Es sind die kleinen Sätze, die die letzten Wochen und Monate im Kanonendonner der politischen Debatte um Migration, Fremdenhass und Islamterror leicht drohten unterzugehen. Einen dieser kleinen Sätze sprach in einem FAZ-Interview vom 9. März 2016 der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD): „Lassen Sie uns nicht groß drum herumreden: Wir haben eine Million Menschen hinzubekommen, und deren Integration wird viel Geld kosten. Es ist doch eine Illusion zu glauben, dass die meisten Flüchtlinge wieder zurückkehren.“

Fassen wir erst einmal ein paar offizielle Zahlen zusammen, damit eine Diskussionsgrundlage besteht: in 2015 wurden in Deutschland ca. 1.1 Millionen Menschen registriert, die voraussichtlich einen Asylantrag stellen werden. Man geht von ca. 300 Tausend weiteren Menschen aus, die aus Gründen behördlicher Überforderung bisher nur gezählt, aber noch nicht registriert werden konnten, sich aber in Deutschland aufhalten.

Von den 1.1 Millionen Migranten waren weniger als 40% Syrer. Selbst wenn man zugrunde legt, dass alle diese Menschen wirklich aus Syrien kamen, so bleibt dennoch festzuhalten, dass die Mehrheit der Asylbewerber nicht aus dem so medial hochgejazzten Bürgerkriegsland kamen. Man darf also mit Recht behaupten, dass die Mehrheit der Migranten keine syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge sind. Das Reden und Schreiben von einer „Flüchtlingskrise“ ist also bereits eine Verkürzung und Vernebelung dessen, worum es wirklich geht. Treffender wäre es, mindestens im gleichen Atemzug von einer Migrationskrise zu sprechen.

Warum das keine Erbsenzählerei ist? Eine Flüchtlingskrise steht unter humanitären Gesichtspunkten. Eine Migrationskrise unterliegt einer anderen Dynamik, denn sie fragt nach Bedarf des Einwanderungslandes, Qualifikation und vor allem: Integration der Auswandernden. Ausser natürlich, man behauptet, dass jeder Wanderungswillige unter humanitären Gesichtspunkten bewertet werden soll, worunter jedoch gerade die wirklichen Kriegsflüchtlinge zu leiden hätten. Denn eines ist deutlich geworden: für die Aufnahme von Flüchtlingen gab es einen breiten gesellschaftlichen Konsens, für Read On…

Tut uns leid, dieses Jahr fällt Armut leider aus

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Erinnern Sie sich noch an den Armutsbericht, den der Paritätische Wohlfahrtsverband in der letzten Februarwoche des Jahres veröffentlich hat? Dieser Armutsbericht gehört zum alljährlich wiederkehrenden Ritual der Sozialindustrie, um das Augenmerk auf die Abgehängten unserer Republik zu richten. Wer weniger als 60% des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, gilt in Deutschland als arm. Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband werden in Deutschland Haushalte mit einer Person und einem Einkommen von weniger als 892 Euro pro Monat als arm bewertet. Bei einer Familie mit zwei Kindern liegt die Grenze bei 1.872 Euro.

Bisher gehörte es zum politischen Spiel der Bundesrepublik Deutschland, dass der Armutsbericht veröffentlicht wurde und dann die Diskussionen um dessen Ergebnisse begannen. In den Zeitungen, in den Kommentarspalten und in den Talkshows. Meist war der Tenor: die Deutschen werden ärmer und die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auf. Der Armutsbericht 2016 stellt zwar nun fest, dass etwas weniger Menschen von Armut betroffen wären als noch die Jahre vorher, aber dass die ungleiche Verteilung des Reichtums eklatant zugenommen habe. Wie jedes Jahr mahnt Verbandschef Schneider (das ist der mit den dicken Kotletten) auch 2016: es sei Zeit zu handeln.

Da aber 2016 kein normales Jahr des politischen Spielebetriebs ist, sondern es seit langem mal wieder um etwas geht – um die Sicherheit der Bürger, um die Überdehnung des Sozialstaats, um das gesellschaftliche Selbstverständnis, kurzum: um die Zukunft des Landes -, ist der Armutsbericht auf merkwürdige Weise hinten runtergefallen. Die Medien nahmen ihn zur Kenntnis, berichteten mehr pflichtbewusst als euphorisiert, aber das Thema wurde ansonsten nicht durchs Mediendorf getrieben. Illner schwieg, Plasberg schwieg, Anne Will sowieso.

Wie volatil politische Überzeugungen sind, wird seit einigen Monaten mit aller Wucht deutlich. Feministinnen ist ihr Anti-Rassismus wichtiger als ihr Feminismus, Religionsverächtern ist die Rücksicht auf den Islam auf einmal höchstes Gebot, den Kämpfern für Demokratie und Meinungsfreiheit ist keine Zensurmaßnahme zu krass, solange sie sich gegen rechts wendet, und den größten Armutsschreiern kann Read On…

Man spricht Deutsch in Brüssel und nennt es Europäisch

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Die Grundidee des Brüsseler Gipfels ist ja gar nicht so schlecht: die Türkei nimmt alle zurück, die sich momentan illegal in Griechenland befinden, und schickt dafür die wirklich Bedürftigen: syrische Flüchtlinge ind ie EU. Sollten unter den „Ausgeschafften“ Syrer sein, werden diese bei der neuen Verteilung nachrangig behandelt. Schleppern wird das Handwerk gelegt (solange die Balkanroute geschlossen bleibt).

Dennoch drängen sich einige Fragen auf.

Frage 1: wo werden die syrischen Flüchtlinge registriert?

Frage 2: wenn kein Syrer „zurückgeschafft“ und eingetauscht wird, sollen natürlich weiterhin syrische Flüchtlinge nach Europa kommen. Soll es da eine Höchstgrenze geben?

Frage 3: wird die Verteilung auf ganz Europa erfolgen? Was, wenn ein Flüchtling nicht nach Finnland (rein fiktiv) will? Wird es eine Residenzpflicht geben?

Frage 4: wie wird unterbunden, dass die Türkei weiterhin Flüchtlinge übers Meer schickt, die sie nach jetzigem Vorschlag zwar wieder zurücknähme, aber damit jede Höchstgrenze konterkarieren könnte?

Frage 5: wenn die Höchstgrenze erreicht ist, was sieht der „Deal“ dann vor?

Frage 6: die „irregulären Migranten“ gehen zurück in die Türkei. Freiwillig? Mit Polizeigewalt? Wer sorgt dafür, dass diejenigen, die gerade noch ein paar tausend Euro bezahlt haben, um wegzukommen, eben genau dahin zurückgeschafft werden? Hui, das wird schlimme Bilder geben und man kann davon ausgehen, dass Griechenland schon jetzt davon überfordert sein dürfte.

Frage 7: was wird die Türkei mit den „irregulären Migranten“ machen? Ausweisen, Einsperren… wie gewalttätig wird die Türkei dabei vorgehen dürfen?

Frage 8: wird die Türkei als sicheres Herkunftsland eingestuft? Und wird es eine Regelung geben, die die Kurden davor schützt, dass die Milliarden, die der Türkei in den Rachen gestopft werden, nicht gegen sie eingesetzt werden? Was hindert die Türkei daran, den Syrien Krieg weiterhin hübsch zu befeuern, jetzt wo sie so viel Geld haben?

Frage 9: um die Visa-Erleichterungen für türkische Bürger im Juni d.J. zu erreichen, muss die Türkei noch 72 Vorbedingungen erfüllen. Was passiert, wenn ihr das nicht gelingt?

Frage 10: die Türkei hat’s vorgemacht, wie man die Migrationswaffe erfolgreich einsetzt. Wird es ein Wiedersehen mit Libyen am Brüsseler Verhandlungstisch 2017 geben?

Zwei kleine Anmerkungen:

Dass dieser „Deal“ mit der Türkei schmutzig werden würde, war vorherzusehen. Ich bezweifle, dass die Visa-Freiheit für Türken EU-weit möglich sein wird. Am Ende wird es vllt. nur für den eigentlichen Adressaten dieser Visa-Freiheit gelten, nämlich Deutschland. Ebenso wird Deutschland den Großteil der Flüchtlinge aufnehmen, während die anderen Länder sich in Alibipolitik üben. Und dass die Türkei momentan wie ein halbdiktatorischer Berserker im Vollrausch auftritt, was Menschenrechte, Gleichberechtigung, Pressefreiheit und Schutz an Leib und Leben angeht, macht sie für die anderen EU-Staaten nicht wirklich attraktiver. Der Deal scheint deutlich „Merkel-driven“ zu sein, wogegen sicher noch heftig opponiert werden wird, so beliebt wie Deutschland momentan in Europa ist.

Das bringt mich zur zweiten Anmerkung: warum hat Frau Merkel nicht alleine mit der Türkei verhandelt? Es wäre schneller gegangen und die Kosten und Verpflichtungen für Deutschland dürften sich im gleichen Rahmen bewegt haben. Warum musste Frau Merkel ganz Europa in die Geiselhaft der Türkei nehmen?

Fazit: am Ende wird die EU aussteigen und es wird einen Deal zwischen Merkel und Erdogan geben. Merkels bsherige Strategie, immer von Europa zu reden, aber nur sich selbst zu meinen, wird von vielen EU-Staaten nicht mehr mitgetragen.

Die Bilder-Kanzlerin

bilder

Die Ablehnung des österreichischen Vorschlags, Deutschland möge Flüchtlingskontingente doch direkt in der Türkei, Jordanien oder Griechenland abholen, offenbart den Handlungsunwillen der Bundeskanzlerin.

Lässt man die letzten Monate seit dem Einbrechen der Flüchtlingskrise in den deutschen Alltag Revue passieren, erscheint ein merkwürdiges Bild. Die Bundeskanzlerin, die immerhin dem größten und reichsten und deswegen vielleicht auch mächtigsten Land Europas vorsteht, weigert sich mit einem für sie typischen Beharrungsvermögen, irgendeine Entscheidung zu treffen.

Aber die Bundeskanzlerin hat die Grenzen doch geöffnet. Nein, seit Schengen sind sie offen. Angela Merkel weigert sich ja nur, an dem Status Quo etwas zu ändern.

Angela Merkel hat aber die Menschen eingeladen, nach Deutschland zu kommen. Wo denn? Nein, eine direkt ausgesprochene Einladung, die man als Entscheidung werten könnte, hat sie nie ausgesprochen.

Dafür verfolgt Frau Merkel aber entschieden eine Lösung des Problems! Nun, die ihr vorschwebende Lösung ist ja eine, bei der die anderen EU-Länder und die Türkei aktiv werden sollen, so dass Merkels Unentschiedenheit wie eine politische Strategie aussieht.

So sind es dankenswerterweise die Österreicher gewesen, die mit der Balkankonferenz das Ende des Einströmens weiterer Flüchtlinge nach Deutschland erreicht haben. Unter Protest der deutschen Regierung, die noch nicht einmal zur Konferenz geladen war.

Das Absurde: die von der überwiegenden Mehrheit der Deutschen so dringend gewünschte Verschnaufpause bei der Flüchtlingsaufnahme wird gegen den erklärten Willen der Kanzlerin erreicht. Warum bloß? Weil es eine Entschiedenheit dazu brauchte, die mit der Übernahme von Verantwortung einhergeht. Das lehnt Angela Merkel jedoch ab.

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Blumen des Irrsinns

fbgoeren

Wer meint, Amelie Frieds Dankbarkeit darüber, dass ihr von Flüchtlingen eine Gitarre geklaut wurde, könnte nicht getoppt werden, hat sich geirrt.

In der WELT schreibt Alan Posener an Frau Fried, nennt es das „Meinhof-Syndrom“ und unterlegt es mit einem Zitat der berühmten Terroristin: „Tendenziell ist alles, was ein Prolet macht, richtig; und alles, was ein kleinbürgerlicher Intellektueller macht, falsch.“

Im deutschen Jahr 2016 sind richtig und falsch jedoch überholte Kategorien. Womöglich sind sie eurozentristisch und stehen in der Tradition der Kolonialisten, Imperialisten und Rassisten.

Eine 24-jährige Sprecherin der Linksjugend, der Jugendorganisation der Partei Die Linke, wurde in den letzten Januar-Tagen diesen Jahres in einer kleinen Parkanlage ihrer Stadt von zwei bis drei jungen Männern vergewaltigt. Sie sollen arabisch oder kurdisch gesprochen haben. Das ist zumindest die Beschreibung in der Lokalpresse. Die Vergewaltigung wurde bei der Polizei zur Anzeige gebracht.

Bis hierhin ist es einer von vielen Fällen, wie sie in der Bundesrepublik leider täglich vorkommen: männliche Gewalt gegen Frauen, in diesem Fall vielleicht befeuert von einem religiös imprägnierten Frauenbild, das Frauen in Huren und in Heilige aufteilt.

Während Amelie Fried den Verlust ihrer Gitarre noch in einen pädagogischen Sieg umdeuten konnte („Wir waren froh, dass die Jungs unsere Gitarre behalten hatten. Die Lektion, die wir dadurch gelernt haben, war deutlich mehr wert als das Instrument.“), geht die Read On…

Der Kontrollverlust im Außen spiegelt sich im Innen

koeln

So steht es auf SPON:

Der Bericht listet einige Beispiele für konkrete Erlebnisse von Polizisten auf:

  • Beamte wurden demnach durch enge Menschenringe daran gehindert, zu Hilferufenden vorzudringen
  • Ein Mann wird zitiert: „Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln! Frau Merkel hat mich eingeladen.“
  • Zeugen wurden bedroht, wenn sie Täter benannten.
  • Menschen zerrissen dem Bericht zufolge vor den Augen der Polizisten Aufenthaltstitel, grinsten und sagten: „Ihr könnt mir nix, hole mir morgen einen neuen.“ Ob es sich um echte Dokumente handelte und um welche Art von Dokumenten, geht aus dem Bericht nicht hervor.
  • Erteilte Platzverweise wurden ignoriert; Wiederholungstäter in Gewahrsam zu nehmen, war aufgrund fehlender Kapazitäten nicht möglich.
  • Nach Gleissperrungen wegen Überfüllung seien Leute einfach auf das Nebengleis und dann über die Schienen wieder auf den gesperrten Bahnsteig gegangen.
  • Beim Einsteigen in Züge gab es körperliche Auseinandersetzungen, es galt das „Recht des Stärkeren“.

Und so im Express:

Der Beamte berichtet nun, es habe in der Nacht 15 vorläufige Festnahmen durch seine Gruppe gegeben.

Diese Personen seien „definitiv erst wenige Tage oder Wochen“ in Deutschland gewesen: „Von diesen Personen waren 14 aus Syrien und eine aus Afghanistan. Das ist die Wahrheit. Auch wenn sie schmerzt.“

Ein anderer Beamter hatte dies bereits dem EXPRESS bestätigt (wir berichteten).

 

Die Bundesregierung hebelt den Rechtsstaat aus, aber der deutsche Michel zahlt brav weiter seine Steuern. Dieser Umstand wird gewöhnlich mit der Untertanenmentalität der Deutschen erklärt, deren Folge dann ein funktionierender Staat ist, für den uns einige bewundern und andere verachten.

Das Vertrauen auf die Klaglosigkeit der Deutschen hat alle Bundes- und Landesregierungen der letzten Jahre dazu veranlassen können, die innere und äußere Sicherheit und das Funktionieren der Infrastruktur zu untergraben, ohne dass Konsequenzen gefürchtet werden mussten.

Fehlende Investitionen in Straßen und Schienen, schlechte Netzinfrastruktur, kollabierende Stromversorgung, offene Grenzen, Abbau der Asylbetreuung und vor allem das Opfern derjenigen Kräfte, die seit mehr als einem Jahrzehnt die Verfügungsmasse aller Einsparungen sind: der Polizei.

Dass alles so halbwegs noch funktioniert hat, war allein der Tatsache geschuldet, dass bei uns Deutschen die Androhung von Sanktionen schon ausreicht, im Hamsterrad weiterzulaufen, selbst wenn die Sanktionen bei kollektiver Verweigerung niemals durchgesetzt werden könnten. Wie sagte Henryk Broder so nett über uns Deutsche: „Ein geduldiges, opferbereites, teilweise sogar blödes Volk.“

Jetzt strömen Millionen von Geschenkemenschen nach Deutschland, bei denen der Prozentsatz derjenigen eklatant höher ist, deren Denke dann doch weniger „nachhaltig“ und „verantwortungsvoll aufs große Ganze gerichtet“, als vielmehr von Männlichkeit, Ehre, Egoismus und Read On…

Weimarer Verhältnisse im Kopf

3.Reichstreff.RFB Berlin 1927 / Pieck Berlin, 5./6. Juni 1927. 3. Reichstreffen des RFB (Rotfront- kämpferbund). - Polizei löst gewaltsam eine Demonstration auf (rechts mit Armbinde: Wilhelm Pieck). - Foto.

In den 50er Jahren entwickelte der US-Psychologe Lion Festinger die Theorie der kognitiven Dissonanz. Sie beschreibt die Funktionsweise, wie es uns Menschen gelingt trotz widersprüchlicher Erkenntnisse an unseren Grundüberzeugungen, die wir als harmonisch und stimmig erleben, festzuhalten. Allen Tatsachen zum Trotz. Das Beispiel, an dem Festinger seine Theorie festmachte, war das einer Weltuntergangssekte in den USA. Wikipedia schreibt dazu:

„In den 1950er Jahren gab Marian Keech (eigentlich Dorothy Martin) aus Salt Lake City an, Nachrichten von der Außerirdischen „Sananda vom Planeten Clarion“ zu empfangen. Sie scharte in Wisconsin (USA) eine Sekte um sich, die ihren Vorhersagen glaubte, eine gewaltige Flut werde alle Menschen auf der Erde töten und nur die Sektenanhänger würden von fliegenden Untertassen gerettet. Als die prophezeite Flut ausblieb, sah sich die Gruppe der Lächerlichkeit preisgegeben. Statt das Versagen ihrer Führerin zu akzeptieren und sich von ihr abzuwenden, sahen sich die Anhänger in ihrem Glauben nur umso mehr bestärkt. Sie behaupteten, ihre Gebete hätten Gott umgestimmt, und versuchten mit einem Mal fieberhaft, andere Leute zu ihren Ansichten zu bekehren.“

Nun kann man die gewaltige Flut der Marian Keech problemlos durch das Waldsterben, die Klimakatastrophe oder durch das Merkelsche „Wir schaffen das“ ersetzen und hat eine interessante Analogie zu dem momentan grassierenden alltäglichen Wahnsinn. Der immer noch quietschlebendige Wald wird dann als Kollateralnutzen des Alaramismus und des neuen Umweltbewusstseins verkauft; das fehlende Ansteigen der Welttemperatur der letzten 15 Jahre trotz immer weiter steigendem CO2-Ausstoß wird einfach durch das Argument der „Ruhe vor dem Sturm“ weggewischt; und je Read On…

Und wenn du zu lange in den Abgrund blickst…

haltsmaul

Wollte man den Zustand der Debattenkultur eines Landes anhand des Empörungsindex’ messen, Deutschland stünde momentan schlecht da. Jeder ist empört. Die SPD vom Innenminister, die CDU von der CSU, Pegida von der Lügenpresse, die AfD von der Kanzlerin, die Kanzlerin von ihrem Land und die Grünen springen mit Claudia Roth eh über jedes Empörungsstöckchen, das ihnen hingehalten wird.

Anders als bei den gesellschaftlichen Verwerfungen um die Agenda2010 oder dem Verpulvern von Milliardensummen bei der „Euro-Rettung“ ist der Empörungsindex bei der Asylbewerberkrise kurz vor der Höchstmarke. Hier geht es um was und man kann davon ausgehen, dass, steigt der Empörungspegel in diese Höhen, der Kern des Problems vor lauter Eifer aus den Augen gerät.

Im derzeitigen Irrsinn von Willkommenskultur, Kontrollverlust und Selbstauflösung bewegen wir uns auf einen Kern des eigenen Selbstverständnisses zu, der die Geister in Gläubige und Ungläubige, in Erlöser und Sünder scheidet. Es ist der Nazikompensationskomplex der Deutschen.
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Lob eines Grünen, dem Lob gebührt

borispalmer

In der momentanen Asylbewerberkrise spielen de Grünen mal wieder ihre leidliche Rolle als moralhochmütige Volkspädagogen und glänzen durch sentimental-dreiste Auftritte einer Karin Göring-Eckardt oder Claudia Roth. Dazu etwas zu schreiben, langweilt intellektuell nur noch.

Umso mehr lässt ein Interview aufhorchen, das Boris Palmer, seines Zeichens Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, dem Deutschlandfunk heute gegeben hat. Eben jener Boris Palmer, der bereits letzte Woche die Kanzlerin angemahnt hatte, nicht mehr nur durch ein „Wir schaffen das“ die Massen zu betören, sondern endlich mal konkrete Taten, Vorschläge und Ergebnisse folgen zu lassen. Ein Oberbürgermeister steht halt vor echten Aufgaben, die Pragmatismus benötigen, im Gegensatz zu unserer weihevollen Kanzlerin oder der Oberprotestantin Karin Göring-Eckardt.

Natürlich waren die Grünen in Berlin schwer empört über ihren Parteigenossen und warfen ihm CSU-Sprech vor, was heutzutage ja kurz vor Nazi rangiert. Man würde sich wünschen, Frau Dr. Merkel wäre nicht Bundeskanzlerin und völlig abgehoben von allen Realitäten, sondern nur Oberbürgermeisterin einer schwäbischen Kleinstadt. Ich glaube sogar, dass sie sich da ganz gut machen würde.

Kurzum: Boris Palmer gab also ein weiteres Interview, bei dem er sogar noch weiter geht, als nur die Kanzlerin anzugehen. Hier einige sehr bemerkenswerte Zitate. Das ganze, wirklich lohnenswerte Interview gibt es HIER

„Die Kanzlerin sagt, wir schaffen das, aber sie sagt uns nicht, was wir eigentlich schaffen wollen.“

„Ich weiß nicht, ob wir es schaffen werden. Ich weiß aber sicher, dass wir vieles ändern müssen, um es zu schaffen. Weil wenn man als Oberbürgermeister in der Kommune feststellt, man ist an den Grenzen, die Helfer sind an den Grenzen, die Kapazitäten sind an den Grenzen, man kann das, was man braucht, nicht mehr kaufen – es gibt zum Beispiel keine Feldbetten mehr -, und die Kanzlerin darauf nicht reagiert, dann glaube ich, dass man schon die Pflicht hat, einmal zu sagen, wir müssen jetzt wirklich darüber reden, was wir noch schaffen können.“

„Jetzt bin ich aber halt Oberbürgermeister und nicht grüner Parteipolitiker, und ich fühle mich im Moment verpflichtet zu sagen, es muss sich sehr viel ändern, damit wir es wieder schaffen können.“

„Es war Konsens, dass man das nicht aussprechen darf, dass wir überfordert sind. Es gibt ein Tabu, was die Grenzen der Belastbarkeit angeht, und das muss aufhören. Wenn wir dieses Tabu nicht brechen, dann wird es dazu kommen, dass die Leute ausweichen und sagen, die Politik hört nicht zu, dann wähle ich AfD, nicht weil ich die will, sondern weil ich will, dass die Politik was ändert.“

„Wenn die Umfragen zeigen, dass die Hälfte der Deutschen der Auffassung sind, man könne nicht offen über das Thema reden, und auch die Hälfte sagt, jetzt ist die Zahl der Flüchtlinge, die zu uns kommen, zu groß, dann muss die Politik das besprechbar machen.“

Sag zum Abschied leise Danke

huffpo

Ja, diese Tage fällt das Merkel-Bashing leicht. Die Bundeskanzlerin hat sich in eine ausweglose Situation manövriert, aus der sie ohne Rücktritt nicht mehr entkommt. Erste Planspiele scheint es in Berlin bereits zu geben.

Schon unken die einen, nur einer Frau als Bundeskanzlerin konnte einfallen, mit fast libidinöser Hingabe alle Türen und Tore aufzumachen, während andere mutmaßen, dass ihr, der Bundeskanzlerin, wenige Tage nach der fulminanten und endgültigen Aufschiebung der Griechenland-Krise schlichtweg langweilig geworden war. „Da muss doch noch mehr sein!“, hat sich Frau Dr. Merkel gedacht und im permanenten Krisenmodus die Grenzen geöffnet. Merke: eine gelangweilte Bundeskanzlerin kann ihr Land teuer zu stehen kommen.

Aber jetzt mal ehrlich: da ist man irgendwie Bundeskanzlerin geworden, wird als mächtigste Frau der Welt gehandelt und schielt schon auf den Friedensnobelpreis und dann – bäm! – das: ein falsches Wort („Schabowski-Effekt“), zwei falsche Selfies („man wird doch wohl noch“) und schon ist der Kladderadatsch da: Millionen packen ihre sieben Sachen und machen sich auf zur „Mutter aller Flüchtlinge“. Darf man der Bundeskanzlerin dann verübeln, dass sie so gerne ein „freundliches Gesicht“ macht? Nein! Denn dass man nur mit einem freundlichen Gesicht in Deutschland jede Bundestagswahl gewinnen kann, hat Frau Merkel ja mehrmals vorgemacht. Nach der Schlappe Read On…

Endlich: Grüne richten deutliche Worte an die TTIP-Gegner

BERLIN, GERMANY - OCTOBER 10: Protesters gather to demonstrate against the TTIP and CETA trade accords on October 10, 2015 in Berlin, Germany. Tens of thousands took to the streets in Berlin to protest against TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) and CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement), both of them trade agreements currently under negotiation between the USA for TTIP and Canada for CETA with the European Union. Critics in Germany oppose the accords for a number of reasons, including fears over genetically-modified foods, environmental standards, workers' rights and pharmaceuticals. (Photo by Axel Schmidt/Getty Images)

Hunderttausende gingen am 10. Oktober 2015 gegen TTIP auf die Straße. Ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Globalisierungsgegnern und Parteien (Die Linke, Grüne u.a.) protestierten gegen das Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA. Es blieb friedlich, jedoch wurden geschmacklose und gewaltverherrlichende Plakate und Installationen gezeigt (s. Foto oben). Nun hat der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, deutlich Stellung bezogen. Am 13. Oktober sagte er:

„Mich besorgt es sehr, welche Parolen da gerufen werden. Und es zeigt für mich ganz klar, dass man sich da ganz eindeutig abgrenzen muss. Und es zeigt für mich auch ganz klar, dass alle verantwortungsvollen Politiker, dass die Gemeinschaft der Demokraten, sehr, sehr genau darauf achten muss, welche Worte und welche Sprache man so benutzt und es zeigt für mich deutlich, dass der Rechtsstaat da sehr eindeutig handeln muss.“

Findet etwa ein Umdenken bei den Grünen statt? Sollen sich die Demokraten und die verantwortungsvollen Politiker jetzt besser zusammentun und die dümmlich-populistischen Stimmen, die ihren ewig bekannten Antiamerikanismus pflegen, in die Schranken weisen? Und fordert Herr Hofreiter wirklich, dass der Rechtsstaat gegen diese Bande von Ewiggestrigen vorgehen solle? Es wäre ja wünschenswert, aber… Verzeihung! Stopp! Zurück! Marsch, Marsch!

Wie gerade bekannt wurde, hat sich der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter, NICHT gegen seine Freunde von der USA-Hasser-Front gestellt. Hier muss ein Missverständnis vorliegen. Herr Hofreiter hat mit seinen Worten eine ebenfalls friedliche Demonstration von ein paar Tausend Pegidisten in Dresden gemeint, die mit einem Galgen gegen Merkel & Co demonstrierten. Ganz offensichtlich ein geschmackloses Zeichen, das Herrn Hofreiter nun zum Anrufen des Rechtsstaates bemüßigt hat.

Wir entschuldigen uns für die Unterbrechung.

Pegida, SPIEGEL Online

Quelle der Fotos: SPIEGEL Online

Der Sieg der Erweckung über die Politik

merkelherz

Prediger glauben an die gute Sache. Wenn es um Gott und die Moral geht, sind Fakten herzlich egal. Dass Offenbarung und Weltenende in der christlichen Terminologie in eins verschmelzen, ist bereist ein Hinweis darauf, wie nah Erkenntnis und Wahnsinn liegen.

Nun haben wir Deutschen also nach dem Bundespräsidenten, der im vorangegangenen Leben Pastor war, eine Physikerin, die in ihrer Funktion als Bundeskanzlerin zur Predigerin mutiert. Ihr freundliches Gesicht, ihre Käßmannsche Frömmigkeit, ihre die Vulva nachbildende Handhaltung und ihre bar jeder Fakten wie ein Mantra vorgetragene Überzeugung, dass geschlossene Grenzen keine Probleme lösen, scheinen dem Politikverständnis der meisten Deutschen zu entsprechen, zumindest wenn man den Meldungen der Medien Glauben schenken darf.

„Die Kanzlerin der Herzen“ heißt es da (FAZ). Oder „Merkels ehrlichste Regierungserklärung“ (SPON). Und im Bieterwettstreit um die wärmste und schönste Überschrift titelt die Süddeutsche „Ich habe aus meinem Herzen gesprochen“. Ja herrjeh, hat man je Weltpolitik Read On…

Die deutsche Wiedervereinigung und die „Flüchtlingskrise“ – wenn es hinkt, muss es ein Vergleich sein

gruenwelcome

Fünfundzwanzig Jahre ist die Deutsche Einheit nun her und was bei den soeben zu Ende gegangenen Feierlichkeiten am meisten auffiel, war das neue Narrativ, das die Politiker zur Erbauung des Volkes anzuwenden versuchen. Zusammengefasst lautet es: die Wiedervereinigung war toll, wir haben es geschafft, nun wartet aber eine noch größere Aufgabe auf uns, nämlich die Bewältigung der Flüchtlingskrise, jetzt muss zusammenwachsen, was nicht zusammen gehört.

Muss es das wirklich?

Bisher war Asyl eine zeitlich begrenzte Sicherheitsoption für Verfolgte. Deutschland scheint die „Flüchtlinge“ aber förmlich herbeizusehnen und aufsaugen zu wollen. Dazu passt, dass das, was Politik und Medien „Flüchtlingskrise“ nennen, mindestens genauso eine Demokratiekrise ist.

Den Begriff Flüchtling mit Krise zu verbinden, erscheint wie ein Pleonasmus. Natürlich entspringt jeder Flüchtling einer krisenhaften Read On…

Warmlaufen für den Friedensnobelpreis

spon

Tief eingebrannt in die deutsche DNA ist bekanntlich der Hang, unbedingt die Welt retten zu müssen. Der Begriff „Realpolitik“ ist ähnlich wie Kindergarden und Blitzkrieg eingegangen in den internationalen Wortschatz. Für die meisten anderen Nationen ist Politik nichts anderes als ausschließlich Realpolitik. Nur wir Deutschen unterscheiden zwischen Realpolitik und… ja, und was eigentlich? Idealpolitik? Moralpolitik? Wertepolitik?

Realpolitik umweht der Geist des Uneigentlichen, zu dem sich die deutsche Seele immer erst zwingen muss, liegt ihr das Eigentliche doch viel näher.

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in den letzten Wochen gezeigt, wie diese andere Form der Politik, die sich eben von Realpolitik Read On…

Der Liberalismus wird verschwinden – eine Prophezeiung

Da hilft auch kein Magenta mehr

Seit sich das griechische Parlament nicht auf einen Staatspräsidenten einigen konnte und Neuwahlen im Ursprungsland der Demokratie anstehen, wird wieder ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone diskutiert. Diesmal jedoch nicht nur bei einigen Abweichlern und Mahnern, sondern auf höchster Regierungsebene. Man könnte meinen, Bernd Lucke und seine AfD sind an genau jenem Ziel angekommen, mit dem die AfD sich einst gegründet hatte. Der heilige Furor, den die AfD bei fast allen politischen Lagern ausgelöst hatte, scheint darauf zurückzuführen, dass das Böse das Gute zur falschen Zeit ist.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die AfD, würde sie sich nur auf das europäische Währungsthema versteifen, recht bald unattraktiv für die Wähler werden würde. Die Tatsache, am Gründungsziel halbwegs angekommen zu sein, wird dem eher wirtschaftsliberalen Flügel der AfD um Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel beim in Kürze anstehenden innerparteilichen Showdown Read On…

Von Wutbürgern und Trotzbürgern

Der Begriff Wutbürger tauchte auf, als eine merkwürdige Melange aus Linken, Grünen und Bürgerlichen gegen Stuttgart21 auf die Straße ging. Seitdem umgibt den Wutbürger der Nimbus des demokratietauglichen Aufbegehrers, der aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Es schwingt Respekt vor dem Mutigen bis Verwegenen mit.

Diese Attribute werden den Pegida-Demonstranten abgesprochen. Wird in ihrem Zusammenhang der Wutbürger angerufen, so kommt der Ruf nicht ohne verunglimpfende Beiwörter aus. „Wutbürger planlos“ heißt es dann oder „Wutbürger zwischen Mob und Mitte“. Nirgends fehlt der Hinweis, dass es bei Pegida dumpfe Ängste sind, die die Menschen auf die Straße treibt.

Bisher sind Massendemonstrationen, die nicht auf dumpfen Ängsten beruhten, unbekannt. Ob es gegen den Nato-Doppelbeschluss, gegen Atomkraft oder gegen Read On…

Menschen geraten in Streit

Das kleine Städtchen Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern hat ein Asylbewerberheim. Wie so oft, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, kam es in Torgelow des öfteren zu Streit. Auch im Asylbewerberheim. Die Polizei musste anrücken und den Streit schlichten resp. Schlimmeres vermeiden. Bis hierhin ist die Geschichte wenig aufregend.

Nun hat der Nordkurier über einen Zwischenfall im Asylbewerberheim zwischen zwei Tschetschenen und einem Afghanen berichtet und die Überschrift gewählt: Asylbewerber geraten in Streit. Dafür ist der Nordkurier von der Alternativen Liste Vorpommern-Greifswald heftig attackiert worden. Es sei, so schreiben sie auf ihrer Homepage, eine Missachtung des Pressekodex, nach dem in der Berichterstattung auf die Nennung der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit verzichtet werden soll, sofern die Nennung nicht zum Verständnis des Vorfalls beiträgt.

Die Alternative Liste schlägt stattdessen folgende Überschrift vor:

Männer geraten in Streit

Nun muss die Frage erlaubt sein, ob nicht die Nennung des Geschlechts bereits diskriminierend ist. Ist die Bezeichnung Mann für den Vorfall mehr zum Verständnis beitragend als die Bezeichnung Asylbewerber? Bedient nicht bereits das Herumreiten auf dem männlichen Geschlecht alle bösen Vorurteile den Männern gegenüber? Wäre es nicht viel weniger diskriminierend zu schreiben Menschen geraten in Streit?

Auch den Ort sollte man nicht nennen. In Deutschland genügt doch völlig. Oder in der Welt.

Menschen in der Welt geraten in Streit

Das wäre doch mal eine Überschrift, die alle Parameter des grün-alternativen Neusprechs („Unwissenheit ist Stärke“) berücksichtigt.

Es ist diese Art, den Leser für deppert und blöd verkaufen zu wollen, die immer mehr Menschen an den gender-gespülten, grün-gewalkten Sprachschraubern verzweifeln lässt. Wer sich jetzt wundert, dass Print dem Tod geweiht ist, hat die sprachliche Anarchie des Netz‘ unterschätzt.

Aber mal ehrlich: wer möchte in einer Welt leben, in der das gedruckte Wort zu inhaltsleerer Phrase verkommen ist?

Hiermit trete ich aus der Kultur aus!

In Deutschland scheint der Begriff „Kulturschaffender“ eine Berufsbezeichnung zu sein. Oder zumindest eine Auszeichnung. Anders ist nicht zu verstehen, dass mehr als 500 jenseits der Wertschöpfung stehende Menschen einen „Offenen Brief Kulturschaffender in Deutschland zum Krieg in Gaza“ unterzeichnet haben, der sich an die Mitglieder des Deutschen Bundestages wendet und die „Kriegsverbrechen“ Israels anprangert. Übrigens nicht nur Kriegsverbrechen, sondern „schwerste Kriegsverbrechen“.

Der Text des Briefes ist so vorhersehbar, wie die Unterzeichner unwichtig sind. Ein Dieter Dehm (MdB/Die Linke), der scheinbar gerne Briefe an sich selbst schreibt, und eine Nina Hagen, deren beste Zeit fast drei Jahrzehnte zurückliegt, ragen wie Leuchttürme der Bekanntheit aus der Masse dieser „Kulturschaffenden“ heraus. „Kulturschaffender“ ist man wohl, wenn es zum Künstler nicht (mehr) reicht. Read On…

Heute etwas Fiktionales: Brief an einen geliebten Menschen

Als Vater zweier adoleszierender Kinder mache ich mir seit letzter Woche Gedanken, wie es wohl wäre, wenn meine 21jährige Tochter mir mitgeteilt hätte, sie wäre auf eine dieser Anti-Israel-Demonstrationen gegangen, „um ihre Solidarität mit den Palästinensern und ihren Widerstand gegen den Krieg“ zum Ausdruck zu bringen. Was würde ich ihr schreiben können?

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Meine liebe J.,

Du hast sicher schon am Telefon gemerkt, dass ich ziemlich erschüttert war von dem Umstand, dass Du an einer judenfeindlichen Demonstration teilgenommen hast. Ich könnte jetzt viele standardisierte Sätze loswerden, die ich gelernt habe, um Generationenkonflikte zu entschärfen: wie sehr ich Dein Gerechtigkeitsempfinden respektiere und wie toll ich Dein Engagement finde. Aber sie wären alles andere als ehrlich. Denn trotz meiner Liebe zu Dir überwiegt die Fassungslosigkeit über so viel Geschichtsvergessenheit.

Du im Gegenzug hast mir vorgeworfen, ich würde blind zu Israel stehen und nicht sehen, dass Israel Kriegsverbrechen begeht. Zu den Kriegsverbrechen möchte ich nicht Stellung nehmen und hoffe inständig, dass dir dieser Begriff im Eifer des Streits herausgerutscht ist. Mit dem Vorwurf der Kriegsverbrechen bist du bereits mittendrin in dem, was ich die Kriminalisierung des Staates Israel nenne. Früher hieß es Blutsauger und Parasit, heute heißt es Verbrecher und Kindermörder. Und immer unterjochen sich die Juden fremde Völker. Vielleicht siehst Du daran, wie sehr die Ressentiments von heute denen von früher ähneln.

Ich stehe an Israels Seite. Aber ist das schon blind? Israel steht für Werte, hinter denen ich auch stehe: Demokratie, Gleichberechtigung, Fortschritt und Prosperität. Sag Du mir bitte, warum ich an der Seite von Fanatikern stehen sollte, die das Recht auf Individualität mit Füßen treten und denen das Himmelreich wichtiger ist als dieses wunderbare Leben auf dieser Erde. Gerade Du, die sich immer das Recht auf ihren eigenen Weg herausgenommen hat, müsstest doch einsehen, dass Du in den islamistischen Ländern weder Deine zerrissenen Jeans noch die Piercings tragen dürftest. Von Rauchen, Tanzen und Trinken ganz zu schweigen. Was ist daran erstrebenswert? Read On…

Grüne Legenden: Kein Schrittbreit den Faschisten

Die Frage, wo Israelkritik aufhört und Antisemitismus beginnt, ist in den letzten Tagen europaweit sehr anschaulich beantwortet worden. In vielen europäischen Metropolen gab es heftige antisemitische Ausschreitungen. Der Hass, der sich inzwischen auch wieder physisch gegen Juden entlädt, sie ins Gas wünscht oder als „angebliche Opfer“ des Holocaust verhöhnt, markiert einen Umschlagpunkt in der Geschichte des europäischen Antisemitismus.

Wenn das zivilisierte Europa je den Antisemitismus überwunden hätte (wovon nicht auszugehen ist), könnte man meinen, über die Hintertür des Zuzugs islamischer Einwanderer wäre er wieder zu uns zurückgekehrt.

Dabei scheint es niemanden aufzuregen, wenn Moslems sich untereinander massakrieren. Weit und breit keine Demonstrationen gegen Boko Haram, ISIS oder den Schlächter von Damaskus. Aber wehe, Israel beginnt sich gegen die ständigen Übergriffe der Hamas Read On…

Deutsche Denkbewegungen für Nahost: immer wieder Lust an der Apokalypse

Die folgenden Gedanken haben unmittelbar nichts mit Grün zu tun, aber sehr viel mit typisch deutschem Denken, das, damit sich die Wahrheit offenbaren kann, bereit ist, auch über Leichen zu gehen. Im folgenden beziehe ich mich auf einen Kommentar des SPON-Redakteurs Markus Becker, in dem er dem israelischen Raketenabwehrschirm Iron Dome unterstellt, ein Hinderungsgrund für den Frieden in Nahost zu sein.

Die Deutschen sind bekannt dafür, Dinge zu Ende zu denken. Das hat ihnen den Ruf eingebracht, ein Land der Dichter und Denker zu sein. Diese Art östlich-metaphysische Tiefe paart sich mit ein paar Sekundärtugenden wie Disziplin, Fleiß und Pflichtgefühl. Wichtige Erfindungen und Patente, wirtschaftliche Prosperität und ein funktionierender Staat haben wir dieser Paarung zu verdanken. Bekanntlich sind es aber auch die Sekundärtugenden, mit denen man ein KZ betreiben kann, und es benötigt schon die deutsche metaphysische Tiefe, um sich die Endlösung auszudenken. Yin und Yang. Read On…