Herzlich willkommen zur Kinderehe

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Die Blüten, die unsere Willkommenskultur momentan treibt, kann man an den vielen hübschen Beispielen erkennen, in denen es um die Harmonisierung zwischen dem manchmal „archaischen Leben“ der Eingereisten und dem grundgesetzlich geforderten „zivilisierten Leben“ in Deutschland geht. Den Kernsatz – sozusagen das Credo und die ultimative Zusammenfassung der Willkommenskultur – stammt bekanntlich von der für ihre herausragenden Sprachleistungen viel gerühmte Katrin Göring-Eckardt: „Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich drauf!“ Dieser Satz ist der Hintergrund, den man mitdenken muss und vor dem folgendes Beispiel, sagen wir mal, seine ganz eigene Wucht erfährt.

Innerhalb der geschätzt 1,5 Millionen Schicksale, die im letzten Jahr nach Deutschland gekommen sind, befinden sich unzählige Beispiele, die es dem deutschen Rechtsstaat schwer machen, sich zu positionieren. Damit sind nicht die Antänzer, Angrabscher und Vergewaltiger gemeint, die wir mit unserem „freundlichen Gesicht“ in Form einer desinteressierten, überforderten und, wie es dann in der Zusammenfassung heißt, „liberalen“ Justiz einfach walten lassen. Denn bei diesen unschönen Fällen ist die Positionierung ja eindeutig, auch wenn sie irgendwie als Kollateralschäden des dringend notwendigen demographischen Aufschwungs eingepreist zu sein scheinen.

In den letzten Tagen jedoch wurde in der Presse ein eher uneindeutiges Thema aufgegriffen: Kinderehen unter Flüchtlingen. Anlass war ein Urteil des Oberlandesgerichts Bamberg, das eine Kinderehe als rechtmäßig anerkannte. Danach machte ein kleiner Shitstorm in den sozialen Netzwerken die Runde, worauf einige Politiker sich bemüßigt fühlten, mit den üblichen Phrasen zu antworten: „Kein Kniefall vor dem Scharia-Recht“ ließ Stephan Mayer (CSU) markig verlauten und Familienministerin Manuela Schwesig: „Diese Fälle zeigen, dass der Kinder- und Jugendschutz auch für Flüchtlingskinder gelten muss.“

„Natürlich“, ist der geneigte Leser sofort zu denken bereit, „ist doch klar! Kein Kniefall vor dem Scharia-Recht. Kinderehen rechtmäßig, wo kämen wir denn dahin!?“ Selbstverständlich ist dieser Reflex durchaus ehrenhaft, wenn er nicht von der Politik genau so intendiert wäre, weil er im Reflexhaften bereits seine Spitze verloren hat. Denn so kann sich die Politik wieder als Problemlöser aufspielen für Probleme, die sie selbst erst geschaffen hat. Das übliche Spiel. Nur löst ein solcher Reflex kein einziges Problem.

Da nicht alle Bundesländer Ehen mit Minderjährigen erfassen und registrieren, kann man nur die Zahlen von einigen wenigen Ländern zu Grunde legen. In Nordrhein-Westfalen geht die Bezirksregierung Arnsberg von 188 Fällen aus; in Baden-Württemberg wurden 177 Kinderbräute gezählt. Deutschlandweit ist es daher sicher nicht übertrieben, von über tausend Fällen auszugehen, in denen der volljährige, meist erheblich ältere männliche Ehepartner seine minderjährige Angetraute mit nach Deutschland gebracht hat.

Lässt man sich den Gedanken „Kein Kniefall vor dem Scharia-Recht“ jedoch einmal im Hirn und auf der Zunge zergehen, stößt man auf interessante Probleme. Würde die Ehe zwischen einem, sagen wir mal, 40-jährigen Mann und einem 14-jährigen Mädchen nicht anerkannt, hätte dies die räumliche Trennung zwischen dem männlichen „Ehepartner“ und seiner Angetrauten zur Folge. Weiterhin müsste das Mädchen den Status einer „unbegleiteten Minderjährigen“ erhalten.

Das freut die Sozialindustrie und die Kirchen (monatlicher Kostenpunkt pro unbegleiteter Minderjähriger zwischen 3.000 und 5.000 Euro), wirft aber neue Fragen auf: soll man das junge Mädchen in eine Einrichtung stecken, in der es ausschließlich männliche unbegleitete Minderjährige gibt? Dazu sollte man bedenken, dass der Anteil an jungen Männern, von denen viele Mitarbeiter überdies behaupten, dass wegen fehlender Pässe erhebliche Zweifel an ihrer Minderjährigkeit bestünden, bei überwältigenden 90% und mehr liegt. Wie aber reagiert ein junges, in ihrem eigenen Bewusstsein bereits verheiratetes Mädchen, wenn es Dutzenden von jungen Männern gegenübersteht, sozusagen dem „youth bulge“ in Fleisch und Blut?

Und wo nimmt der Staat das Recht der Trennung von Eheleuten her? Ein 14-jähriges Mädchen, das mit ihrem Ehemann nach Deutschland in die völlige Fremde kommt, wird sicher froh sein, zumindest einen bekannten Ansprechpartner zu haben. Ihr diesen zu nehmen, hätte für das persönliche Empfinden des Mädchens erhebliche Unsicherheiten zur Folge. Darf der deutsche Staat überhaupt generell davon ausgehen, dass ein Mädchen, das aus einem Kulturkreis stammt, in dem die Vermählung mit erheblich älteren Männern durchaus angesehen ist, ihren eigenen Zustand als Mangel oder Unglück erlebt? Und was sind die Folgen, wenn das Mädchen bereits Mutter oder werdende Mutter ist?

Hilfe kann man nur Menschen gewähren, die sich helfen lassen wollen. Alles andere ist moralischer Paternalismus.

Also entreißt die Politik im Namen des Grundgesetzes und des Jugendschutzes einem jungen Menschen die letzte verbliebene Sicherheit, um ja dem Urteil „Kniefall vor dem Scharia-Recht“ zu entgehen. Das ist blanker Populismus und hat mit der Orientierung an den individuellen Bedürfnissen und Gegebenheiten nichts zu tun. Das jedoch ist, so schwer es manchmal fällt, die Grundlage von Humanismus und Zivilisation.

Nun könnte der Auftritt der moral-bewehrten Grünen erfolgen. Frau Göring-Eckardt könnte sich hinstellen und mal wieder waschechte Pädophilie verteidigen. Nicht nur aus guter grüner Tradition, sondern einfach aus Freude an den sich drastisch verändernden Verhältnissen, die sie sich selbst ja verschrieben hat. Wäre auch nur ein Funken Ehrlichkeit in den deutschen Willkommens-Politikern, sie müssten Minderjährigen-Ehen genauso als Bereicherungsgeschenk preisen wie die Tatsache, dass dieses Land endlich nach Scharia-Gesetzen religiöser wird. Aber sobald der Rotz, den sie ihren Bürgern an die Backe geklebt haben, konkret nach Lösungen ruft, ducken sich die Obermoralisten weg und scheißen die Probleme mit Geld zu. Reich genug ist Deutschland ja.

Ehrlichkeit und Moral sind eben selten zusammen zu bekommen.

Hätte Frau Göring-Eckardt im September 2015 in ihren schwungvollen Reden vor ihren protestantischen GlaubensgenossInnen gesagt: „Wir werden Probleme bekommen, für die wir keine Lösungen haben und die man den Menschen im Land auch nicht vermitteln kann. Statt den Zusammenprall derart unterschiedlicher Kulturen zu fördern, sollten wir den Menschen in den Flüchtlingslagern ein anständiges Leben gewährleisten. Das trauen wir uns zu und das werden wir schaffen!“ — hätte sie das gesagt, die Stimmung im Lande wäre heute eine bessere.

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