Hiermit trete ich aus der Kultur aus!

In Deutschland scheint der Begriff „Kulturschaffender“ eine Berufsbezeichnung zu sein. Oder zumindest eine Auszeichnung. Anders ist nicht zu verstehen, dass mehr als 500 jenseits der Wertschöpfung stehende Menschen einen „Offenen Brief Kulturschaffender in Deutschland zum Krieg in Gaza“ unterzeichnet haben, der sich an die Mitglieder des Deutschen Bundestages wendet und die „Kriegsverbrechen“ Israels anprangert. Übrigens nicht nur Kriegsverbrechen, sondern „schwerste Kriegsverbrechen“.

Der Text des Briefes ist so vorhersehbar, wie die Unterzeichner unwichtig sind. Ein Dieter Dehm (MdB/Die Linke), der scheinbar gerne Briefe an sich selbst schreibt, und eine Nina Hagen, deren beste Zeit fast drei Jahrzehnte zurückliegt, ragen wie Leuchttürme der Bekanntheit aus der Masse dieser „Kulturschaffenden“ heraus. „Kulturschaffender“ ist man wohl, wenn es zum Künstler nicht (mehr) reicht.

Der Begriff „Kultur“ ist so klebrig und dehnbar wie ein Flatschen Kaugummi an der Schuhsohle an einem heißen Sommertag. Da gibt es eine Kultur des Miteinander, eine Kultur des Weniger, eine Kultur des Gegeneinander, eine Willkommenskultur, eine Leitkultur, eine Kultur der Buntheit undsoweiterundsofort. In dieser Gemengelage der Kulturen sich selbst als „Kulturschaffender“ zu bezeichnen, zeugt schon von erheblicher Präpotenz. Das Phrasenschwein wird sich freuen.

In unserer von religiösen Auffassungen noch immer schwer durchtränkten Gesellschaft bezeichnet Kultur all das, was sich der ökonomischen Verwertung entzieht und nicht des Geldes wegen, sondern der Sache wegen getan wird. Nur dafür schlägt das Herz des Kulturschaffenden höher. Damit und nur damit setzt er sich vom arbeitenden Menschen, dessen Existenz sich der Wertschöpfung verschrieben hat, ab. Vom Sozialarbeiter bis zum Politprofi ist daher alles dabei, wenn sich „Kulturschaffende“ versammeln.

„Kulturschaffender“ ist ein Herrschaftsbegriff. Er unterstellt, dass derjenige, der an Kultur schafft, etwas Hehres verfolgt und ergo mehr und Besseres zu sagen hat als die arbeitende Bevölkerung, von der er sich unterhalten lässt. Die Ehrerbietung, die wir Deutschen diesen selbsternannten Hütern der Kultur entgegenzubringen bereit sind, erleichtert ihnen ihre Sache ungemein.

Die „Kulturschaffenden“ fühlen in ihren Herzen etwas ganz Großes. Aus diesem Grund reicht es den „Kulturschaffenden“ auch nicht, einfach ihre Meinung herauszukrähen, was in einer Demokratie das Recht eines jeden Menschen ist. Das wäre zu profan und dem eigenen präpotenten Erleben nicht zuträglich. Also muss eine heilige Pflicht angerufen werden, ein „Hier steh ich nun, ich kann nicht anders“. Bei unseren Kulturschaffenden heißt es dann in Bezug auf die „Kriegsverbrechen“ Israels:

„Als Kulturschaffende in Deutschland können wir dazu nicht schweigen.“

Doch, möchte man ihnen zurufen, könnt ihr! Ihr könntet einfach mal die Klappe halten und aus eurem Herzen eine Mördergrube machen. Denn ihr hasst Israel aus irgendwelchen Gründen, die wirklich niemanden interessieren. Ihr habt eine Obsession mit dem Staat der Juden, die zwar in eurer Kultur angelegt ist und die ihr als „Kulturschaffende“ offenbar angetreten seid, restlos zu vollenden, die aber wirklich, so viel Ehrlichkeit muss sein, Dreck ist.

Und für euch zum Mitschreiben: Kultur ist kein Wert. Und „Kulturschaffender“ ist eine lächerliche Anmaßung. Kultur ist ein mit Sentimentalitäten gefüllter Begriff, der Fortschritt zu diskreditieren und zivilisatorische Schwächen zu kaschieren versucht. Es gehört zur Kultur einiger Länder, Schwule an Baukräne zu knüpfen. Andere wiederum verbrennen gerne Witwen. Und die deutsche Kultur zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie immer schon gerne Juden verfolgte.

Deswegen trete ich aus der Kultur aus! Ich will sie nicht, ich mag sie nicht, ich kenne sie zur Genüge. Ich trete dafür in einen wirklich exklusiven Club ein, in den mir die „Kulturschaffenden“ nie und nimmer folgen werden. Es ist ein Club, in dem eine glorreiche Vergangenheit nichts zählt und in dem es nicht auf Sentimentalitäten ankommt. In diesen Club hat nur Zutritt, der das Denken einschaltet und seine „Kulturgefühle“ zu reflektieren bereit ist. In ihm wirkt die Überhöhung der Kultur wie ein Witz, denn im Gegensatz zur Kultur, die sich aus dem Geraune speist, zählen im neuen Club nur Werte, die man benennen und für allgemeingültig anerkennen kann. Dieser Club führt einen Namen, der jedem „Kulturschaffenden“ kalt, herzlos und elitär erscheint. So soll es sein.

Hiermit trete ich in die Zivilisation ein!

4 Kommentare

  • Die Hauptmotivation der Unterzeichner dürfte, neben ihren Judenhass, der Wunsch, ihren Namen in der Zeitung zu lesen, sein.

  • Gut gesprochen!

    Für einen jeden Anhänger der Zivilisation ist „Kulturschaffender“ die Übersetzung des Furzes, der dem deutschen Arsch entweicht. Je nach Lautstärke variiert der Gestank.

  • Lieber Markus,

    von diesem Brief wusste ich nichts. Ich bin entsetzt! Es macht mich traurig, dass wir tatsächlich dem gleichen “ Wahn “ verfallen, vor dessen Anfängen wir vor 20 ig Jahren warnten. “ Wehret den Anfängen“ scheint keiner mehr hören zu wollen. Es ist im Grunde alles total schrecklich.

  • Kulturschaffende? Die waren aber nicht am Kultur schaffen Schaffende als sie unterschrieben, sondern allenfalls Kulturschaffer. Erinnert mich ein wenig an Kulturbeutelnäher. Oder wie war das mit dem Kulturschaffenden, der sich Tag für Tag in der Trinkhalle um die Ecke die Kante gibt? War schaffend oder saufend?

    Ach je, in Monaco leben ungefähr 17.000 Menschen pro Quadratkilometer? Dichtgedrängt ist sehr relativ. Aber Dutzende von Raketen Tag für Tag und Jahr für Jahr aus dem Gazastreifen nach Israel geschossen waren demnach nur beschleunigte Friedenstauben.