Menschen geraten in Streit

Das kleine Städtchen Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern hat ein Asylbewerberheim. Wie so oft, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, kam es in Torgelow des öfteren zu Streit. Auch im Asylbewerberheim. Die Polizei musste anrücken und den Streit schlichten resp. Schlimmeres vermeiden. Bis hierhin ist die Geschichte wenig aufregend.

Nun hat der Nordkurier über einen Zwischenfall im Asylbewerberheim zwischen zwei Tschetschenen und einem Afghanen berichtet und die Überschrift gewählt: Asylbewerber geraten in Streit. Dafür ist der Nordkurier von der Alternativen Liste Vorpommern-Greifswald heftig attackiert worden. Es sei, so schreiben sie auf ihrer Homepage, eine Missachtung des Pressekodex, nach dem in der Berichterstattung auf die Nennung der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit verzichtet werden soll, sofern die Nennung nicht zum Verständnis des Vorfalls beiträgt.

Die Alternative Liste schlägt stattdessen folgende Überschrift vor:

Männer geraten in Streit

Nun muss die Frage erlaubt sein, ob nicht die Nennung des Geschlechts bereits diskriminierend ist. Ist die Bezeichnung Mann für den Vorfall mehr zum Verständnis beitragend als die Bezeichnung Asylbewerber? Bedient nicht bereits das Herumreiten auf dem männlichen Geschlecht alle bösen Vorurteile den Männern gegenüber? Wäre es nicht viel weniger diskriminierend zu schreiben Menschen geraten in Streit?

Auch den Ort sollte man nicht nennen. In Deutschland genügt doch völlig. Oder in der Welt.

Menschen in der Welt geraten in Streit

Das wäre doch mal eine Überschrift, die alle Parameter des grün-alternativen Neusprechs („Unwissenheit ist Stärke“) berücksichtigt.

Es ist diese Art, den Leser für deppert und blöd verkaufen zu wollen, die immer mehr Menschen an den gender-gespülten, grün-gewalkten Sprachschraubern verzweifeln lässt. Wer sich jetzt wundert, dass Print dem Tod geweiht ist, hat die sprachliche Anarchie des Netz‘ unterschätzt.

Aber mal ehrlich: wer möchte in einer Welt leben, in der das gedruckte Wort zu inhaltsleerer Phrase verkommen ist?

Ein Kommentar

  • Wer soll sich bitteschön in diesem Lande noch über Medien wundern? Wer soll sich darüber noch wundern, daß „Journalisten“ sich in ihrer Mehrheit als Nachschwätzer von Maßgaben Dritter verstehen? Früher nannte man das Agitprop. Das war wenigstens ehrlich.

    Längst haben Leser und Hörer gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen und zu hören. Ob das nun Ukraine heißt, oder Islam, oder Flüchtling, oder Asyl, oder etwa gar „NSU“.

    Es ist allen Sozialisten eigen, daß sie es als ihre Aufgabe ansehen, die Menschen von der Wirklichkeit abzuschirmen, oder doch wenigstens davon abzulenken. Immer in der Hoffnung (oder gar Gewißheit), damit dumme Fragen erst garnicht aufkommen zu lassen.

    „Presse“, wie wir das heute noch wahrnehmen, wird es deshalb in wenigen Jahren nicht mehr geben. Es sei denn, es wird – wie weiland bei Funk und Fernsehen – eine neue Steuer (Presse-Demokratieabgabe) erfunden.

    Dank Internet hat jeder die Möglichkeit, sich dennoch zuverlässig zu informieren. Und schaltet man dieses lästige Medium ab, dann findet der findige Mensch andere Möglichkeiten. Und sei es die Brieftaube….