Nationalmythen

Ich hatte schon an anderer Stelle geschrieben, dass Nationen Identifikationsflächen benötigen. Ist das grüne Gewissen ein deutscher Nationalmythos geworden?

Die Aussage, „wenn wir Deutschen aus der Atomkraft aussteigen, haben die anderen Länder ein Beispiel, dem sie folgen können“, ist dann nichts anderes als der verklemmt-verkniffene Versuch, das Deutsche Wesen, an dem die Welt genesen möge, wiederzubeleben.

Sozusagen der neue deutsche Protestantismus.

2 Kommentare

  • gut geschrieben… und die anderen länder folgen uns eben gerade nicht… die lachen sich schlapp, bauen neue atomkraftwerke und verkaufen uns den strom, der uns wegen unseres grandiosen ökowahns und des planlosen überstürzten atomausstieges nun fehlt…

  • In der Tat benötigt jede Nation „Identitationsflächen“. Auch dann wenn diese auf Mythen beruhen. Bei den Schweizern z.B. ist dies der gute alte Tell und die Halbwahrheit des Bündnisses der drei Urkantone.

    Nachdem es unziemlich geworden ist, sich der deutschen Vergangenheit vor 1933 zu erinnern und gar (berechtigt) stolz darauf zu sein, muß auf anderer Ebene beispielhaftes geschehen. Auch dann, wenn dies irrational ist und sogar auf Mythen basiert. Das krampfhafte Suchen nach Ersatzidentifikation mobilisiert längst vergangene Überheblichkeiten, wie das Wilhelminische „am deutschen Wesen muß die Welt genesen.“ Und erzeugt damit unfreiwillig Humor. Mindestens im Ausland.

    Da die Grünen (inzwischen sind ja alle Parteien grün) sich hauptsächlich in diffusen Ängsten suhlen, bekommen sie wegen Schließens der Augen in solchen Situationen auch keine Veränderungen mehr mit.

    Eine davon findet sich hier: http://dual-fluid-reaktor.de/

    Das Grauen besteht darin, daß eine solche furchtbare Lösung dieses Land um die Diskussion über Endlager bringen könnte. Das bedeutete eine wesentliche Angst weniger. Und das ist das wirklich Schlimme.