About

Eigentlich bin ich ein ganz netter Mensch. Ich bin weder mit einem Konservativismus-Gen noch einem Liberalismus-Defekt auf die Welt gekommen. Als Heranwachsender habe ich natürlich anders gedacht und gefühlt als jetzt.

Mit Ende 20 war ich über die grüne Liste in einen niedersächsischen Gemeinderat gewählt worden (als Parteiloser), und weil sich die Gemeinde im Castortransport-bewehrten Wendland befand, war die Sympathie mit den Grünen durchaus vorhanden. Derart lernte ich die wendländische Anti-Atomkraft-Bewegung von innen kennen und bin weit davon entfernt, mich jetzt aus einem Innen-Blickwinkel heraus als Saulus-zum-Paulus hinzustellen.

Ein Held bin ich also nicht.

Noch immer stehe ich einer nicht-institutionalisierten grünen Liberalität vergangener Tage, die vor allem Religion, Familie und Sexualität betraf, sehr offen gegenüber. Pathetisch gesprochen ist mir der „pursuit of happiness“, wie er in der amerikanischen Unabhängigskeitserklärung von 1776 benannt ist, heilig. Er führt zu einer gewissen Lässigkeit im Hinblick auf das eigene Lebensgefühl und was noch wichtiger ist: zu einer gewissen Nachlässigkeit dem Staat gegenüber. Im Deutschen ist der „pursuit of happiness“ übrigens am besten übersetzt mit dem heute märchenhaft anmutenden: „Jeder ist seines Glückes eigener Schmied.“

So wenig ich Held bin – ein Opfer bin ich auch nicht.

Ich halte den Einzelnen für die einzige bestimmbare und gültige Autorität, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen, die den eigenen glücklichen Lebenswandel und die Lebensziele bestimmen. Staatliche Institutionen sollen mir, bitteschön, in mein Leben nicht hineinfunken.

Erst da wandle ich mich vom Faulenzer zum Kämpfer.

Dabei verorte ich mich politisch weder links noch rechts, weder konservativ noch sozialdemokratisch. Ich gehöre zu der stetig wachsenden Anzahl der Wechselwähler und neige eher dazu, mich für die kleineren Parteien zu entscheiden, einfach weil ich mich in den Konzepten der Volksparteien noch weniger wiederfinde und meine, dass sie dringend eines Korrektivs durch Minderheiten bedürfen.

Vor allem aber haben die kleinen Parteien in Deutschland die Möglichkeit, ihre politischen Anschauungen nicht moralisch verkleistern zu müssen. Theoretisch. Denn bei der Vermoralisierung der Politik treffe ich auf eine grüne Gestimmtheit fast aller Parteien in Deutschland. Das macht mich misstrauisch. Die scheinbar höhere grüne Moral, in der alles den Themen Frieden, Frauen und Umwelt untergeordnet wird, hat sich derart als Konsens etabliert, dass es Lust macht, die Gegenposition einzunehmen.

Markus Vahlefeld

geboren 1966 in Hong Kong – aufgewachsen in Hamburg – Abitur in Washington, D.C. – Studium der Philosophie in Bonn, Barcelona und Berlin – tätig als Fotograf, Texter und Autor vornehmlich in der Genussbranche – wohnhaft in Köln und einem beschaulichen Weindorf im Rheinhessischen